Das vierte Reich
Zur Restauration national-konservativen Großdeutschentums
von Rudolf Sponsel, Erlangen
Die Restauration konservativen und mittelalterlichen Gedankenguts hat in den letzten Jahrzehnten bedenklich zugenommen. Die Medien werden überschwemmt mit Adel, Eliten, Religion, Esoterik, Formen, Schein statt Sein, Gesellschaftstheater und Hochstapelei, dass man richtig froh sein konnte, dass der Fall zu Guttenberg sich gerade noch rechtzeitig ereignete, um wenigstens eine kleine Bremswirkung herbeizuführen. Viel hätte nicht gefehlt und der Hochstapler von und zu Guttenberg hätte mit Hilfe von Bild, RTL und den Regenbogenmedien neuer großdeutscher König oder Kaiser werden können. Große Teile des Volkes werden medial zunehmend verblödet und infantilisiert. Bundespräsidenten und Regierungsmitglieder sprechen ganz unverblümt von großdeutschen Wehrmachtsaufgaben zur Sicherung unserer Wirtschafts- und Handelsinteressen. Die Rechtsbeugung (> Unrecht im Namen des Rechts) und der Verfassungsbruch durch Staatsrepräsentanten hat ungeahnte Formen angenommen. Die jüngsten Höhepunkte markieren die verfassungswidrige Wiedervereinigung und die mehr oder weniger offene Teilnahme an Angriffskriegen, obwohl diese vom Grundgesetz, Artikel 26, unmißverständlich verboten werden (rot-grün hat es möglich gemacht, wie auch die Deregulierung und das entfesselte Chaos der Finanzmärkte zu Lasten der SteuerzahlerInnen).
Die deutschen Reiche: > Lit.
I. Deutsches Reich. 962-1806. Heiliges römisches Reich deutscher
Nation (größenwahnsinniger geht es kaum noch). Kaiserkrönung
Otto des Großen bis "Neuordnung" durch Napoleon.
II. Deutsches Reich. 1866/67 Norddeutscher Bund, Kaiserreichproklamation
1871 bis 1918, Weimarer Republik bis 1933.
III. Deutsches Reich. 1933-1945 das 1000jährige 3. Reich der Hitler-Nazis
und Faschisten.
IV. Deutsches Reich. Das vierte Reich beginnt formal nach 1945. Die
Bundesrepublik wurde weitgehend von Nazis, Mitläufern und einigen
wenigen Ausnahmen aufgebaut. Das bereits war der erste Ansatz. Vertieft
wurde es mit dem großen Sündenfall von Adenauer,
der Wiederbewaffnung und dem Beitritt zur Nato (6.5.1956). Nahtlos ins
Bild passt auch die völlig unverständliche und im Grunde rechtswidrige
Duldung der Neonazis und der von ihnen verursachten Ausländepogrome.
Hieraus kann nur der Schluss gezogen werden, dass das vierte Reich aus
politischen Gründen eine starke rechte Szene braucht. Mit der verfassungswidrigen
Wiedervereinigung nach dem Zusammenbruch der DDR (9.11.1989), die
am 3.10.1990 der BRD "beitrat", womit eine gesamtdeutsche Verfassung gezielt
unterlaufen wurde. Nach diesem Verfassungsbruch gab es kein Halten mehr.
Bundeskanzler Schröder verkündete Ende März 1999, dass sich
Deutschland am Kosovokrieg aktiv beteiligt, also einen grundgesetzwidrigen
Angriffskrieg führt. Die neue großdeutsche Entwicklung wurde
2001 durch rot-grün, Bundeskanzler Schröder und seinem grünen
Außenminister Joschka Fischer, zementiert als Schröder durch
die Vertrauensfrage eine Zustimmung der Charakterschwachen zum grundgesetzwidrigen
Angriffskrieg in Afghanistan "erzwang". Es folgten
das Weißbuch der Bundeswehr 2006 - in dem Jahr, indem sich die BRD
um einen Platz im UN-Sicherheitsrat bewarb - und in dessem Geiste die großdeutschen
Bekundungen zur globalen Aufgabe der Bundeswehr, deutsche Wirtschafts-
und Handelsinteressen zu schützen durch Bundespräsident Horst
Köhler und den - inzwischen als Hochstapler entlarvten - Verteidigungsminister
von und zu Guttenberg. Das meinte man wohl inzwischen öffentlich vertreten
zu müssen nachdem Deutschland am 12. Oktober 2010. einen Sitz im UN-Sicherheitsrat,
dem mächtigsten Gremium der Welt, erhielt. Jetzt muss dieser Sitz
nur noch zu einem ständigen werden und Atombomben würden da auch
gut dazu passen. Verträge? Gesetze? Recht? Damit spielt und blufft
man vielleicht, doch gilt, wie unsere Bundeskanzlerin so trefflich umschrieb:
"Eigentlich
gewinnt immer der, der sich nicht an die Spielregeln hält." Das
ist eine harmlos klingende Variante Machiavellis,
die es aber in sich hat.
Fazit: Alles scheint möglich, denn es scheinen sich - sofern es überhaupt zu Klagen kommt - immer JuristInnen zu finden, besonders in den höchsten Rängen, die die Vereinbarkeit mit der Verfassung bestätigen. Das ist faktischer, subtiler Faschismus, wenn auch in sehr guter Verkleidung. Man biegt sich alles zurecht, gerade so, wie man es braucht. Was also hat sich seit Kaiser Wilhelm und Hitler in der substanziellen politischen Grundhaltung wirklich verändert? Und ist das deutsche Volk ein anderes geworden?
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korrigiert: irsf 30.04.2011